Smaragd-Fieber - Ausflug nach Muzo
Gemeinsam mit Anke unternahm ich einen 2-Tages-Ausflug nach Muzo. Einem Ort mit vielen Mythen, geboren aus Smaragden.
Muzo liegt nur ca. 100 km Luftlinie von Bogota entfernt, die Anreise ist allerdings länger, als man vermuten würde. Am Nachmittag sind wir mit einem Bus nach Chiquinquirá gereist, einem Ort der auf der Route Bogota - Villa de Leyva liegt. Normal fährt man hier einfach vorbei, doch die Stadt ist wirklich schön, nur Touristen sind hier völlig unbekannt. Hotels gibt es aber reichlich, die Stadt ist auch ziemlich groß.
Am nächsten Morgen um 6 Uhr (ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte mal so früh samstags aufgestanden bin) fuhr unser Bus nach Muzo los. Von den Anden ging es in den Tiefebene. Schnell zogen wir unsere Fleece-Jacken aus. Es wurde richtig warm… Nach gut zwei Stunden kamen wir schließlich in Muzo an.
Die Stadt scheint ein ganz normales Örtchen zu sein, nichts zu spüren, dass in unmittelbarer Nähe einer der reichsten Smaragd-Vorkommen der Welt Millionen von Euros erwirtschaften. Ein Freund erläutert mir, dass Muzo von der Smaragd-Mafia beherrscht wird, die Polizeitstation sei eine Attrappe. In der Tat sieht man keine Polizisten, nur ein Bulle in Zivil lernen wir zufällig kennen.
Es geht weiter zu den Minen. Der Transport dauert weiter 45 Minuten, entlang des Berghanges zieht sich der Weg entlang dem sattgrünen Tal. Angekommen an den Minen fällt uns als erstes der schwarze “Sand” ins Auge. Grün-schwarz ist dieser Ort. Wir fühlen uns ausgesetzt in einer anderen Welt, kein Gefühl von Unbehagen sondern viel mehr das Bewusstsein, dass es so nah Orte gibt, die so anders sind. Die Minen von Muzo gehören definitiv dazu.
wir kommen zur Mittagszeit, Hunderte von Minenarbeitern sind in einem Kreis versammelt. Ein Bergarbeiter erläutert uns: Es findet gerade eine Freiluft-Messe statt, die Arbeitet sind sehr gläubig. In dem Augenblick fällt mir der Spruch über der Stadt Muzo ein. Auf einem Berg stand meter-groß geschrieben: “Dios ve todo”, also “Gott sieht alles”. Die Padrones - die Minenherrscher - sind sicherlich froh, wenn ihre Arbeiter gläubig und ehrlich sind.
Wir ziehen weiter zu einem Mineneingang. Vor den Toren der Mine strömt schwarzes Wasser aus dem Gelände, ein Dutzend Menschen durchwüsten an dem Ort die Steine nach möglichen Smaragden. Unsere Neugierde packt uns, wir gehen hin und fragen nach. Die Menschen arbeiten nicht für die Mine, sie sind auf eigene Faust hier. Im schwarzen Einöde suchen sie ihr Glück. Mit etwas Glück finden sie einen Stein, den sie in Muzo für 100.000 Pesos (ca. 30 Euro) verkaufen können, dem Viertel des Mindestlohns. Doch meistens macht man kleinere Funde. Auch wenn man nicht reich wird, so hat man wenigstens ein wenig Einkommen, ansonsten würde nicht so viele Menschen ihr Glück versuchen in diesem schwarzen Flussbett.
Wir gehen zum Mineneingang und fragen nach: “Dürfen wir die Mine besichtigen?”. Das Gesicht des Pförtners verrät uns: die Frage hat er wohl lange - wenn überhaupt - noch nicht gehört. Schnell greift er zu seinem Funkgerät und versucht seinen Chef zu erreichen. Doch der ist bei der Messer. Bei der nächsten Mine wird uns dasselbe gesagt. Schlechtes Timing, denn wir müssen bald zurück nach Muzo um den letzten Bus nach Bogota zu erreichen.
Muzo ist auf alle Fälle eine Reise wert. Wenn man zudem auch preiswert Smaragde einkaufen will und etwas versteht, so wird man vor Ort gut fündig. In unserer Gegenwart wechselte ein Edelstein von beachtlicher Größe für 120.000 Pesos den Besitzer, das wird in Bogota oder in Europa ein Vielfaches kosten. Doch da wir uns nicht auskennen und unser Interesse am Stein selbst begrenzt ist begnügen wir uns mit dem Besuch selbst. Wer mehr Zeit mitbringt wird sicherlich auch in die Mine kommen, ein wenig Handgeld für die Entscheidungspersonen sollte man aber einplanen. Wer nach Muzo kommt, sollte auf alle Fälle spanisch können und sicher auftreten, denn die Polizei Präsenz - falls es eine gibt - ist sehr bescheiden.







Sehr interessant, gute Bilder… bin von Dir auch nichts anderes gewohnt!
Gruß aus Krefeld, Danke für die Korrektur des Links! Markus