Archiv für Februar 2008

Naschend durch Wien

Es war als eine große Wiedersehendsparty geplant. Gemeinsam mit Florian hatte ich das große “Kempten Revival Hüttenwochenende” geplant. First come first serve sollte das Motto werden, denn 16 verfügbare Plätze würden ja im Nu weggehen… Doch als die einzigen beiden zusagenden Ex-Kommilitonen dann 2 Tage vorher auch noch ihre Teilnahme absagten, wurde uns klar, unser Interesse an Revival alter Studi-Zeiten war ziemlich einseitig :-(

Aber vermiesen ließen wir uns unsere Laune nicht. Kurzfristig lied uns Robi nach Wien ein. Mit Robi hatte ich in Alicante studiert und er hatte über ein paar Monate auch Bogota mit mir unsicher gemacht. Robi schwärmte uns von seiner zentralen Wohnung am Nachmarkt vor, so lange, bis wir nicht mehr nein sagen konnten…

Gesagt getan. Ganz im Bann des unglaublichen Navisystems verbrachte ich 3 schnell vorbeigehende Stunden auf dem Beifahrersitz von Florian. Natürlich - wie könnte es anders sein mit Robi & André in einem Auto - mit der aktuellsten Latino Mucke. Kaum angekommen in Wien, stürzten wir uns ins Nachtleben. Floridita hieß der angesagte Club, bei dem beim Eintreffen Robi direkt vom DJ mit Namen begrüßt wurde. Es sollte nicht die einzige Ehre von Robi bleiben, die Mädels standen Schlange um mit ihm tanzen zu können. Robi so wurde uns schnell klar war Wiens angesagtester Tänzer. Und das zurecht…

Florian und mir wurde von den sportlichen Leistungen und den Drehungen schon schwindelig, so hatte Robi Nachsicht mit uns und wir gingen ins Havanna Club. Wenn ich 1999 schon einen Blog gehabt hätte, so gäbe es damals zahlreiche Einträge zum Havanna. Während meiner Praktizeit in Wien war es mein Lieblingsclub und sein Charme hat er bis heute nicht verloren. Anstatt Tanzschulambiente, machten hier vor allem Latinos die Musik. Und zwar nicht nur Salsa, sondern auch Modernes. Wie in alten Zeiten brauchten wir nicht lange um in Kontakt mit dem anderen Geschlecht zu kommen. Drei Weissrussinen waren richtig gut drauf und wir kamen in ihr Visier. In Details will ich mich nicht vertiefen, sagen wir mal so, beim Tanzen wurde uns nicht langweilig…

Am nächsten Tag war Sightseeing angesagt. Wien zeigte sich von seiner schönen Seite, just heute wollte sich der kommende Frühling anbahnen. Vorm Palmgarten trafen wir Freunde von Robi … Als stolzer Wiener zeigte uns Robi die verborgenen Ecken der österreichischen Hauptstadt. Und es hat so viele schöne Ecken … Als sich Robi am Abend um ein wenig Privatsphäre bat um seine Freundin zu treffen, zogen wir alleine los. Aber ohne Guide gab es keine schöne Ecken mehr, nach zig Kiolmetern fanden wir schließlich was Nettes, und just als wir geordert haben sehen wir wen? Robi mit Freundin, wie peinlich, zum Glück bemerkte er uns nicht…

Zum Abschluß des Wien Ausfluges besuchten Florian & ich noch Schönbrunn, in der Zeit konnte Robi seine Sachen erledigen. Viel ist es nicht geworden, aber sein Kalender synchronisiert nun (sorry, Insider..).

@Robi: es war ein geniales Wochenende, du bist ein super Gastgeben, besser kann man Wien gar nicht präsentieren!
@alle: schaut’s zu, dass ihr ne Einladung für ein Wien Wochenende von Robi bekommt, es lohnt sich!!!

Nachfolgend noch ein paar Fotos:

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Hier geht es zu allen Fotos aus Wien (@Florian/Robi: ich kann euch freischalten, damit ihr alle Fotos sehen könnt)

DLG is back :-)

DLG ist eine Band aus New York, die ich 1998 kennen gelernt habe, als sie ein Konzert in Arequipa gaben. Sie spielen einen erfrischenden, urbanen Salsa bei dem man so richtig abtanzen kann. Dummerweise haben sie sich kurz nach dem Konzert in Arequipa getrennt…

Nun habe ich nicht schlecht gestaunt, als ich plötzlich über ein Radio-Interview erfuhr, dass die Gruppe eine neue CD produzieren wird, die Anfang April auf den Markt kommen wird. Im Radiointerview wird der neue Song schon mal vorgestellt…

No mas FARC

Am 04. Januar 2007 startete in Kolumbien eine Facebook Gruppe mit dem Namen “UN MILLON DE VOCES CONTRA LAS FARC“. Eine Millionen Stimmen reichen nicht, meinte jemand und machte daraus dann direkt ein Event. Eine der Personen aus dem Organisationsteam erläutert:

Was darauf folgte war der reinste Wahnsinn, das Projekt verbreitete sich in Windeseile über Facebook, an die 300.000 Mitglieder hat die Gruppe mittlerweile. Doch die Gruppe sollte dnak Facebook über die Grenzen Kolumbiens hinaus bekannt werden. So wurde der Text der Aktion in verschiedene Sprachen übersetzt, hier die deutsche Version:

EINE MILLION STIMMEN GEGEN DIE FARC

Unsere Stimmen müssen erhört werden. Wir dürfen nicht weiter schweigen. Die ganze Welt, jeder Guerrillero muss uns hören: Wir lehnen die FARC-EP (Kolumbianische Revolutionäre Streitkräfte - Armee des Volkes) ab - der bewaffnete Kampf muss aufhören.

Die FARC haben uns immer wieder belogen. Sie weigern sich die Entführten zu befreien indem sie uns betrügen und belügen.

Die Entführung ist der schlimmste Anschlag gegen die Menschenwürde und die FARC halten derzeit über 3.000 unschuldige Menschen seit mehreren Jahren gefangen, während sie weiter Verbrechen begehen und das Geschäft mit dem Drogenhandel und dem Terrorismus weiter ausweiten. Unser Land leidet an Armut und Misere, die wie eine Plage seit mehr als 40 Jahren zur humanitären Tragödie ausgeartet ist.

Kolumbianer, Kolumbianerin und Freund Kolumbiens auf der ganzen Welt, lasst uns unsere Stimme gemeinsam erheben:

ES REICHT!
KEINE WEITEREN ENTFÜHRUNGEN!
KEINE WEITEREN LÜGEN!
KEINE WEITEREN TOTEN!
KEINE FARC!

Eine Million Stimmen sollen sich in dieser Gruppe vereinigen, damit wir gemeinsam den Unterschied machen, damit die Welt erfährt, dass wir in Kolumbien keine Armee des Volkes brauchen. Dass die FARC eine Terrororganisation sind, Feinde des Volkes und der Welt.

Unsere Beweggründe sind nicht politisch. Uns bewegen humanitäre Gründe und Solidarität mit unserem geliebten Vaterland.

Vereinigen wir uns! Lassen wir die Welt unsere Wut spüren. Unsere Stimme muss erhört werden.

EINE MILLON STIMMEN GEMEINSAM GEGEN DIE FARC

Soweit der Text. Im Text selbst ist inhaltlich ein Fehler, die Zahl der von der FARC festgehaltenen Geiseln soll bei etwa 700 Entführungen liegen.

Als die Gruppe viral so stark wuchs griffen die Medien das Thema auf und aus dem reinen Internet-Hype wurde eine Aktion die durch sämtliche Kommunikationskanäle gejagt wurde. Es ist für mich die größte virale Kampagne, von der ich je gehört habe. Und auch der Erfolg kann dadurch erklärt werden. Keine Partei oder sonstiger “Stakeholder” haben die Initiative ergriffen, sondern das die Bürger.

So kam nun der 4.2., als erstes starteten die Aktionen in Sydney und Japan und man konnte erahnen welche Welle nach Kolumbien schwappen sollte. Heute um 12 Uhr war es dann soweit. Obwohl es ein Wochentag war versammelten sich Hunderttausende in den verschiedenen Städten Kolumbiens. Andere, die nicht die Arbeit verlassen konnten, zogen sich bei der Arbeit weiß an um die Aktion zu unterstützen.

Es war eine einzigartige Aktion, die viral gestartet wurde und dann heute im realen Leben ausgelebt wurde. Wollen wir hoffen, dass ein politisch ein deutlich Zeichen gesetzt wurde und der Druck auf die FARC weiter zu genommen hat, die unschuldigen Menschen, deren Freiheit sie beraubt, freizulassen.

Nachfolgend ein Video von den beteiligten Menschenmassen in Bogota:

Nachtrag:
In den Abendnachrichten in Kolumbien, wurde die Massendemonstrationen fast die gesamte Sendezeit gewidmet. Es wurde von 10 Millionen Demonstranten gesprochen, die auf die Straße gingen, schwer zu glauben, dass es wirklich so viele waren, aber die Ausmaße waren enorm. Eine Liste von Videos gibt es hier:
www.youtube.com/results?search_query=no+mas+farc&search_sort=video_date_uploaded

Und hier noch Fotos vom Treffen in Medellin:

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Über mich

Südamerika-Fan, der nun in Kolumbien sein Heimat gefunden hat. Neben Reisen, Internet und Fotographie interessieren mich Politik und kleine Geschichten aus dem alltäglichen Leben in Südamerika.

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