Archiv für die Kategorie 'Kolumbien'

Ingrid ist frei!

Bewegende Momente. Gestern um 14:13 schreibt mir mein Kollege Miguel aus Bogota, dass der Verteidigungsminister gerade erklärt habe, dass Ingrid Betancourt frei ist. Unglaublich. Als ich nach Kolumbien gekommen bin hatte ich direkt Kontakt aufgenommen zu den Betancourt Commites um mizuhelfen für ihre Freilassung. Im Kolumbien-Blog haben wir stets über sie als Symbol aller Entführten gesprochen, und nun ist sie frei.



(Foto von Damien Boilley)

Alle Infos zur Freilassung und die ersten Reaktionen von Ingrid als Video findet ihr unter Ingrid Betancourt Freilassung. Miguel hat noch einen weiteren Artikel geschrieben, er zeigt wie tapfer diese Frau ist. So kurz nach der Freilassung gibt sie sich wieder auf politisches Terrain, hier eine kurze Zusammenfassung ihrer Aussagen im Artikel Ingrid wirklich in Freiheit.

An Arbeit war gestern nicht zu denken, den Nachmittag verbrachte ich mit Millionen anderer Kolumbianer vor dem Fernsehen mit Tränen in den Augen.

Genialer Werbespot - made in Bogota

3. November 2007 in Bogota: es sollte kein typischer Samstag Nachmittag werden. Innerhalb von Sekunden verwandelte ein Unwetter die Stadt in ein Chaos. Einen Bericht dazu gibt es im Kolumbien Blog

Nun hat Chevrolet aus dem Material einen Fernsehspot gemacht, ohne jeglichen Kommentar, die Bilder sprechen für sich…

No mas FARC

Am 04. Januar 2007 startete in Kolumbien eine Facebook Gruppe mit dem Namen “UN MILLON DE VOCES CONTRA LAS FARC“. Eine Millionen Stimmen reichen nicht, meinte jemand und machte daraus dann direkt ein Event. Eine der Personen aus dem Organisationsteam erläutert:

Was darauf folgte war der reinste Wahnsinn, das Projekt verbreitete sich in Windeseile über Facebook, an die 300.000 Mitglieder hat die Gruppe mittlerweile. Doch die Gruppe sollte dnak Facebook über die Grenzen Kolumbiens hinaus bekannt werden. So wurde der Text der Aktion in verschiedene Sprachen übersetzt, hier die deutsche Version:

EINE MILLION STIMMEN GEGEN DIE FARC

Unsere Stimmen müssen erhört werden. Wir dürfen nicht weiter schweigen. Die ganze Welt, jeder Guerrillero muss uns hören: Wir lehnen die FARC-EP (Kolumbianische Revolutionäre Streitkräfte - Armee des Volkes) ab - der bewaffnete Kampf muss aufhören.

Die FARC haben uns immer wieder belogen. Sie weigern sich die Entführten zu befreien indem sie uns betrügen und belügen.

Die Entführung ist der schlimmste Anschlag gegen die Menschenwürde und die FARC halten derzeit über 3.000 unschuldige Menschen seit mehreren Jahren gefangen, während sie weiter Verbrechen begehen und das Geschäft mit dem Drogenhandel und dem Terrorismus weiter ausweiten. Unser Land leidet an Armut und Misere, die wie eine Plage seit mehr als 40 Jahren zur humanitären Tragödie ausgeartet ist.

Kolumbianer, Kolumbianerin und Freund Kolumbiens auf der ganzen Welt, lasst uns unsere Stimme gemeinsam erheben:

ES REICHT!
KEINE WEITEREN ENTFÜHRUNGEN!
KEINE WEITEREN LÜGEN!
KEINE WEITEREN TOTEN!
KEINE FARC!

Eine Million Stimmen sollen sich in dieser Gruppe vereinigen, damit wir gemeinsam den Unterschied machen, damit die Welt erfährt, dass wir in Kolumbien keine Armee des Volkes brauchen. Dass die FARC eine Terrororganisation sind, Feinde des Volkes und der Welt.

Unsere Beweggründe sind nicht politisch. Uns bewegen humanitäre Gründe und Solidarität mit unserem geliebten Vaterland.

Vereinigen wir uns! Lassen wir die Welt unsere Wut spüren. Unsere Stimme muss erhört werden.

EINE MILLON STIMMEN GEMEINSAM GEGEN DIE FARC

Soweit der Text. Im Text selbst ist inhaltlich ein Fehler, die Zahl der von der FARC festgehaltenen Geiseln soll bei etwa 700 Entführungen liegen.

Als die Gruppe viral so stark wuchs griffen die Medien das Thema auf und aus dem reinen Internet-Hype wurde eine Aktion die durch sämtliche Kommunikationskanäle gejagt wurde. Es ist für mich die größte virale Kampagne, von der ich je gehört habe. Und auch der Erfolg kann dadurch erklärt werden. Keine Partei oder sonstiger “Stakeholder” haben die Initiative ergriffen, sondern das die Bürger.

So kam nun der 4.2., als erstes starteten die Aktionen in Sydney und Japan und man konnte erahnen welche Welle nach Kolumbien schwappen sollte. Heute um 12 Uhr war es dann soweit. Obwohl es ein Wochentag war versammelten sich Hunderttausende in den verschiedenen Städten Kolumbiens. Andere, die nicht die Arbeit verlassen konnten, zogen sich bei der Arbeit weiß an um die Aktion zu unterstützen.

Es war eine einzigartige Aktion, die viral gestartet wurde und dann heute im realen Leben ausgelebt wurde. Wollen wir hoffen, dass ein politisch ein deutlich Zeichen gesetzt wurde und der Druck auf die FARC weiter zu genommen hat, die unschuldigen Menschen, deren Freiheit sie beraubt, freizulassen.

Nachfolgend ein Video von den beteiligten Menschenmassen in Bogota:

Nachtrag:
In den Abendnachrichten in Kolumbien, wurde die Massendemonstrationen fast die gesamte Sendezeit gewidmet. Es wurde von 10 Millionen Demonstranten gesprochen, die auf die Straße gingen, schwer zu glauben, dass es wirklich so viele waren, aber die Ausmaße waren enorm. Eine Liste von Videos gibt es hier:
www.youtube.com/results?search_query=no+mas+farc&search_sort=video_date_uploaded

Und hier noch Fotos vom Treffen in Medellin:

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Silverster mit Stephan

Allen Lesern wünsche ich ein geniales 2008!!!

Unglaublich aber wahr: mit meinem alten Schul- und Handballkameraden Stephan konnte ich ins neue Jahr rutschen. Stephan ist schon öfter in Kolumbien gewesen, da seine Freundin - Sandra - aus Kolumbien kommt. Wir hatten uns bereits in Bogota getroffen, dieses mal hat es sogar in Medellin geklappt. Sandras Familie konnte sich zu Silvester eine sehr schöne Finca sichern, auf der wir ins neue Jahr gerutscht sind. Auf dem Programm stand Karaoke, Vallenato gröllen, Salsa tanzen, lecker essen und zu viel Aguadiriente trinken… Sandras Familie ist einfach Klasse, wir hatten echt einen genialen Abend! Vielen Dank, dass ich dabei sein durfte!

Nachfolgend noch ein paar Fotos vom Abend…

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Feria de Cali

Vom 25. bis 30. Dezember fand in Cali das 50. Feria de Cali Festival statt, dieses Jahr war ich mit von der Partie. Am 27.12. ging es für vier Tage nach Cali. Für das Festival reisen die großen Salsabands der Welt nach Cali um auf zig Konzerten ihr Können zu beweisen. Als eingefleischter Salsafan musste ich da einfach mit dabei sein.

Urs, ein Kollege und Freund von mir lebt in Cali und betreibt dort ein beliebtes Backpacker Hostal. Leider waren die Plätze schon alle vergeben, aber schnell war ein Ersatzhotel gefunden. Am ersten Abend startete ich dann sogleich mit anderen Gästen vom Hostal ins Geschehen. Unser Ziel, das “Superconcierto”, angesagt hatten sich Son de Cali, Maelo Ruiz, Gilberto Santarosa, Eddy Herrera, Grupo Niche und das Orquestra Guayacan. Salsa-Herz, was willst du mehr?

Nach einer Stunde stellte sich heraus, dass ich noch mehr Salsafans in meinem Umkreis gebraucht hätte, ich kam dzwar dazu mit ein paar Celenas zur Musik auch zu tanzen, doch die Kumpanen aus dem Hostal wurde die Musik langsam zu langweilig. Nach dem Gilberto Santarosa Konzert wollten sie das Stadion verlassen und in einer Disko weiterfeiern. Um nicht alleine im Stadion zu bleiben ging ich mit. Kaum aus dem Stadion raus, stellte sich heraus, dass die Jungs auf der Suche nach einem Technoschuppen waren, nicht nur dass, auch wollten sie Kokain kaufen. Alles andere als mein Ding, also ging ich zurück zum Stadion. Dort ließen sie mich nicht mehr rein und mit einem Bier beendete ich diesen ersten frustrierten Abend.

Am zweiten Abend ging es in eine kleinere Disco, “La 33″ eine bekannte Salsa-Band aus Bogota hatte sich angesagt. Diesmal war ich mit Urs und seinen Freunden aus Cali unterwegs, zwar alles Pärchen aber alle Musik- und tanzbegeistert. Es ging also besser!!!

Der dritte Abend sollte der Höhepunkt werden. Zuvor aber schon mal ein paar Bilder von Cali…

Cali

Cali

Cali

Also, der dritte Abend. Carime, eine Freundin von mir, lud mich ein mit ihrer Clique zu feiern. Gesagt getan. Zu Gast waren wir im Rumbódromo und ein Teil der Künstler, die ich vorgestern wegen des frühen Verlassens des Stadions verpasst hatte spielten heute. Angesagt hatten sich: Son de Cali, Gran Combo, Maelo Ruiz und Eddy Herrera. Was für ein Programm. Und dann hatten wir einen Traumplatz, unser Tisch war gerade mal 10 Meter von der Bühne enfernt und dazwischen befand sich nur die Tanzfläche. Als wenn das nicht gut genug wäre, war ich in Gesellschaft von gut gelaunten Calenos und vor allem tanzwütigen Calenas. Besser hätte es nicht kommen können. Das letzte Konzert endete um vier Uhr. Ich fiel totmüde ins Bett…

An dieser Stelle werde ich später noch ein paar Fotos vom Abend reinsetzen (warte noch darauf, dass sie mir zugesendet werden…)

Am Sonntag ging es dann zurück nach Medellin. Im Flugzeug kam ich ins Gespräch mit meinem Sitznachbar, und siehe da, es war kein geringerer als Guillermo, der Conga Spieler der Gruppe Aventura (in Deutschland bekannt mit ihrem Lied “Obsession”). Er hatte sich schwer verliebt in eine Kolumbianerin und meinte, dass er bald nach Medellin kommen würde, da bin ich mal gespannt…)

Lange ausruhen geht nicht, nun wartet Silvester auf mich… Und für alle Krefelder gibt es einen Überraschungsgast im nächsten Artikel ;-)

Mein Heiligabend in Kolumbien

Es gibt immer ein erstes mal, gestern gab es meinen ersten Heiligabend in Kolumbien. Da ich im Februar nach Deutschland fliege hat sich ein Flug zu Weihnachten sich nicht wirklich gelohnt, auch wenn ich Heiligabend natürlich am liebsten im Kreis meiner Familie in Deutschland verbracht hätte. Zum Glück musste ich nicht alleine feiern, denn Maria Isabel, eine Freundin aus Medellin und ihre Familie luden mich ein gemeinsam mit ihnen zu feiern.

Im Vorfeld war ich noch gar nicht so richtig in Weihnachtsstimmung. Was offensichtlich gar nicht zu meinen Weihnachtsvorstellungen passt sind die warmen Temperaturen in Medellin. Umso glücklicher war ich zu erfahren, dass Maria Isabels Familie in El Penol feiert, einem Ort, der einiges höher liegt als Medellin (und daher deutlich kühler ist).(Da für Kolumbianer die Meereshöhe - im Gegensatz zu uns Deutschen - völlig unwichtig ist, konnte mir keiner sagen wie hoch El Penol liegt, ich schätze mal ca. 2200 Meter dürften es gewesen sein…)

Ein großer Unterschied zum vertrauten Fest in der alten Heimat ist schon mal die Familiengröße, ich konnte mir noch nicht mal die Hälfte der Namen der Verwandtschaft merken, insgesamt feierten wir mit ca. 15 bis 20 Leuten Heiligabend. Nicht nur die Größe war ein Unterschied… aber zuerst mal zu den Gemeinsamkeiten mit dem deutschen Weihnachtsfest:

  • es wird die Geburts Christus gefeiert, es wird zwar nicht gesungen, aber im Familienkreis wird die Weihnachtsgeschichte erzählt
  • die Kinder werden auch am Heiligabend beschenkt

Und hier die Unterschiede zum deutschen Heiligabend:

  • in Kolumbien ist die Familie so wichtig, dass jeder über alles Bescheid weiß, da dauern geredet wird. Daher entfällt die Funktion des “Familienfestes”, wo zumindest zu Heiligabend die ganze Familie beisammen am Tisch sitzt und man das Jahr Revue passieren lässt. Falls einer aus der Familie liebe den Heiligabend mit Freunden verbracht hätte, wäre das akzeptabel gewesen…
  • es gibt keine Weihnachtsmusik, anstatt dessen kommt typischer Vallenato, Salsa und Merengue
  • die Geschenke stammen nicht vom Weihnachtsmann, sondern vom “Jesuskind”, das unbemerkt die Geschenke im Haus versteckt…
  • und wer hätte es gedacht, auch zu Heiligabend schaffen es die Kolumbianer nicht still auf den Stühlen zu sitzen, es wird getanzt was das Zeug hält (ich liebe dieses Land!)
  • zur Feier des Tages wird einiges an Feuerwerkskörpern in die Luft gebollert, vor allem um 24 Uhr, wenn sozusagen in Christus Geburtstag reingefeiert wird

Soweit ein paar Beobachtungen meinerseits. Ich hatte auf alle Fälle einen sehr schönen Abend. Vielen Dank an Maria Isabel und ihre Familie für die Einladung!!!

Nachfolgend noch ein paar Fotos…

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Gemeinsame Runde in der Finca mit Blick auf El Penol

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Bescherung der Kleinen…

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Maria Isabel mit Weihnachtsschmuck…

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Beim Salsa Tanzen …




Über mich

Südamerika-Fan, der nun in Kolumbien sein Heimat gefunden hat. Neben Reisen, Internet und Fotographie interessieren mich Politik und kleine Geschichten aus dem alltäglichen Leben in Südamerika.

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