No mas FARC

Am 04. Januar 2007 startete in Kolumbien eine Facebook Gruppe mit dem Namen “UN MILLON DE VOCES CONTRA LAS FARC“. Eine Millionen Stimmen reichen nicht, meinte jemand und machte daraus dann direkt ein Event. Eine der Personen aus dem Organisationsteam erläutert:

Was darauf folgte war der reinste Wahnsinn, das Projekt verbreitete sich in Windeseile über Facebook, an die 300.000 Mitglieder hat die Gruppe mittlerweile. Doch die Gruppe sollte dnak Facebook über die Grenzen Kolumbiens hinaus bekannt werden. So wurde der Text der Aktion in verschiedene Sprachen übersetzt, hier die deutsche Version:

EINE MILLION STIMMEN GEGEN DIE FARC

Unsere Stimmen müssen erhört werden. Wir dürfen nicht weiter schweigen. Die ganze Welt, jeder Guerrillero muss uns hören: Wir lehnen die FARC-EP (Kolumbianische Revolutionäre Streitkräfte – Armee des Volkes) ab – der bewaffnete Kampf muss aufhören.

Die FARC haben uns immer wieder belogen. Sie weigern sich die Entführten zu befreien indem sie uns betrügen und belügen.

Die Entführung ist der schlimmste Anschlag gegen die Menschenwürde und die FARC halten derzeit über 3.000 unschuldige Menschen seit mehreren Jahren gefangen, während sie weiter Verbrechen begehen und das Geschäft mit dem Drogenhandel und dem Terrorismus weiter ausweiten. Unser Land leidet an Armut und Misere, die wie eine Plage seit mehr als 40 Jahren zur humanitären Tragödie ausgeartet ist.

Kolumbianer, Kolumbianerin und Freund Kolumbiens auf der ganzen Welt, lasst uns unsere Stimme gemeinsam erheben:

ES REICHT!
KEINE WEITEREN ENTFÜHRUNGEN!
KEINE WEITEREN LÜGEN!
KEINE WEITEREN TOTEN!
KEINE FARC!

Eine Million Stimmen sollen sich in dieser Gruppe vereinigen, damit wir gemeinsam den Unterschied machen, damit die Welt erfährt, dass wir in Kolumbien keine Armee des Volkes brauchen. Dass die FARC eine Terrororganisation sind, Feinde des Volkes und der Welt.

Unsere Beweggründe sind nicht politisch. Uns bewegen humanitäre Gründe und Solidarität mit unserem geliebten Vaterland.

Vereinigen wir uns! Lassen wir die Welt unsere Wut spüren. Unsere Stimme muss erhört werden.

EINE MILLON STIMMEN GEMEINSAM GEGEN DIE FARC

Soweit der Text. Im Text selbst ist inhaltlich ein Fehler, die Zahl der von der FARC festgehaltenen Geiseln soll bei etwa 700 Entführungen liegen.

Als die Gruppe viral so stark wuchs griffen die Medien das Thema auf und aus dem reinen Internet-Hype wurde eine Aktion die durch sämtliche Kommunikationskanäle gejagt wurde. Es ist für mich die grö&szligte virale Kampagne, von der ich je gehört habe. Und auch der Erfolg kann dadurch erklärt werden. Keine Partei oder sonstiger “Stakeholder” haben die Initiative ergriffen, sondern das die Bürger.

So kam nun der 4.2., als erstes starteten die Aktionen in Sydney und Japan und man konnte erahnen welche Welle nach Kolumbien schwappen sollte. Heute um 12 Uhr war es dann soweit. Obwohl es ein Wochentag war versammelten sich Hunderttausende in den verschiedenen Städten Kolumbiens. Andere, die nicht die Arbeit verlassen konnten, zogen sich bei der Arbeit wei&szlig an um die Aktion zu unterstützen.

Es war eine einzigartige Aktion, die viral gestartet wurde und dann heute im realen Leben ausgelebt wurde. Wollen wir hoffen, dass ein politisch ein deutlich Zeichen gesetzt wurde und der Druck auf die FARC weiter zu genommen hat, die unschuldigen Menschen, deren Freiheit sie beraubt, freizulassen.

Nachfolgend ein Video von den beteiligten Menschenmassen in Bogota:

Nachtrag:
In den Abendnachrichten in Kolumbien, wurde die Massendemonstrationen fast die gesamte Sendezeit gewidmet. Es wurde von 10 Millionen Demonstranten gesprochen, die auf die Stra&szlige gingen, schwer zu glauben, dass es wirklich so viele waren, aber die Ausma&szlige waren enorm. Eine Liste von Videos gibt es hier:
http://www.youtube.com/results?search_query=no+mas+farc&search_sort=video_date_uploaded

Und hier noch Fotos vom Treffen in Medellin:

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4 comments on “No mas FARC
  1. Carlo says:

    Wer Kolumbien, dieses sehr schöne und auch an sich sehr reiche Land Südamerikas zwischen dem Atlantik und dem Pazifik kennt und nicht blind oder taub ist, der wei&szlig was hier leider so abgeht.

    Natürlich mag zweifelsfrei KEINER die FARC, logisch … und auch keiner mag Geiselnahmen! Deren Existenz mu&szlig doch ganz einfach jeder, auch nur halbwegs zivilisierte Mensch, ablehnen!

    Aber die FARC ebenso wie die ELN und auch die PARAS wie auch die vielen, vielen sonstigen Kriminellen sind leider Produkte dieser doch recht seltsamen Demokratie hierzulande, die offensichtlich schon eher mit einem Militär- oder Polizeistaat zu vergleichen ist. Die Politiker hierzulande nehmen bis auf ganz wenige Ausnahmen die Interessen und die Belange der Reichen wahr und kümmern sich doch höchst wenig um die vielen, vielen Armen, die in der Regel nur als billige Arbeitskräfte gesehen werden und dies auch bleiben sollen. Möglichst wenig und schlechte Bildung und Erziehung für die Armen! Deshalb schicken z.B. hier alle, die es sich leisten können, ihre Kinder auf Privatschulen. Umgekehrt wie in Deutschland zählen hier private Abschlüsse und nicht die staatlichen.

    Das kolumbianische Fernsehen ist praktisch gleichgeschaltet und dort wird gelogen und verdreht und kaum ein Beitrag ist ohne Nationalfahnen, Miltär oder Polizei. Es erinnert mich eindeutig schon an die NS-Zeit und an staatliche Propaganda.

    Wer Geld hat , der kann sich vom Wehrdienst freikaufen. Überhaupt mit Geld ist alles machbar und Recht und Gesetz sind weniger interessant.

    Es ist mir unerklärlich, da&szlig der Präsident des Landes in sechs Jahren keine Verhandlungen mit den Rebellen führt, aber statt dessen immer mehr Waffen kauft und aufrüstet, gerade erst sind wieder von der Regierung 13 Kampfflugzeuge in Israel bestellt worden, Angeblich, weil die FARC so moderne Waffen hat. Bis zum Jahr 2010 soll auf jeden Fall die Truppenstärke um einige Tausend Mann erhöht werden!

    Die Geschichte und die Erfahrung lehren aber gerade, da&szlig es immer besser ist mit fairen ehrlichen Verhandlungen und mit Diplomatie aller Beteiligter, Konflikte zu lösen, und nicht mit Waffengewalt! Natürlich gehört dazu auch die erforderliche Einsicht und Kompromi&szligbereitschaft. Dies mu&szlig auch für Kolumbien gelten, auch wenn es hier praktisch schon seit Jahrhunderten, aufgrund der hier herrschenden gravierenden sozialen Unterschiede und Ungerechtigkeiten, bürgerkriegsähnliche Zustände gibt!

    Kolumbien ist in allem doch viel reicher als vergleichsweise Deutschland! Die Reichtümer des Landes müssen nur auch entsprechend vernünftig genutzt und gerecht verteilt werden.

    Mit mehr Bildung und mit besserer Erziehung aller Kolumbianer, sowie mit mehr Toleranz sollte es einer weisen und sozialbewu&szligten demokratischen Führung kein übermä&szligig gro&szliges Problem sein, diesem herrlichen Land endlich Frieden, Freiheit und Wohlstand für alle zu geben und damit den Rebellen und Kriminellen endlich deren “Nahrung” zu entziehen!

    Deutschland ist doch auch nach dem Ende des grausamen Krieges innerhalb nur weniger Jahre aus Schutt und Asche neu erstanden! Und wenn die Politiker Kolumbiens es ernsthaft und ehrlich wollen, dann werden sie das Volk auch dahin bringen können.

    Ich wünsche diesem wunderschönen und interessanten Land Kolumbien und seinen Bürgern einen dauerhaften FRIEDEN, denn den haben ausnahmslos ALLE KOLUMBIANER mehr als verdient!

    Aber für heute hoffe und wünsche ich, dass die 4 angekündigten Geiseln nun endlich ihre langersehnte und längst überfällige Freiheit erhalten!!!
    Das gilt natürlich entsprechend genauso für Ingrid Betancourt, aber selbstverständlich auch für die vielen anderen, nicht wohlhabenden, Kolumbianer die sich in der Hand der FARC oder anderer linker oder rechter Rebellengruppen befinden.

  2. kelly says:

    wow geil, no mas farc? gleich mal rüber über die grenze und ballerballer. hammer, das scheint mir doch recht sinnvoll. eine schönere und weitaus fortschrittlichere vorderung wäre eine ende des parimilitarismus und des staatsterrors gegen soziale bewegungen und gewerkschaften!

  3. André says:

    scheinst ja echt ein Kolumbien Kenner zu sein. Warum sollte man gegen eine Terror Organisation nicht auf die Stra&szlige gehen dürfen? Hei&szligt das etwa, dass man damit gegen Gewerkschaften und für den Paramilitarismus ist?

  4. Survival International says:

    Hey, deine Seite ist echt super. Informativ und übersichtlich;-) Allerdings würd ich mir wünschen, wenn in den nächsten Berichten mehr auf die verheerenden Konsequenzen eingegangen werden könnte, die dieser Konflikt für die Indigenen des Landes hat.
    Die letzten Geiselnahmen hatten Bombardierungen durch die kolumbianische Armee in den Gebieten des nomadischen Nukakvolkes zur Folge. Die Nukak sind eines der letzten nomadischen Jäger- und Sammlervolkes, die überall im Amazonasregenwald leben. Das Battallion 44 der kolumbianischen FARC ermordete vor kurzem einen Nukakmann. Dadurch, dass die meisten Territorien der Nukak von der FARC besetzt wurden, werden viele gezwungen, von ihrem Land zu fliehen, da auf ihrem Territorium Gewalt und Bombenanschläge zum Alltag geworden sind. Es ist tragisch, dass die Nukak zum so genannten Kollateralschaden des Krieges geworden sind,
    obwohl sie überhaupt nichts mit diesem Konflikt zu tun haben.

    Wir von Survival International setzten uns bereits seit Jahren für die
    Rechte von indigenen Völkern ein. Aus diesem Grund ist es uns ein
    besonderes Anliegen, dass du die Informationen über die prekäre
    Situation der Nukak vielleicht in deine Berichte mit einflie&szligen lassen könntest. Wenn du
    weitere Informationen für einen Artikel brauchst, kannst du dich gerne
    an uns wenden.
    info@survival-international.de
    (ALina)

    Mit freundlichen Grü&szligen
    Ihr Survival Team

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